Berufsbild

Beamtinnen und Beamte des gehobenen Dienstes in der hessischen Steuerverwaltung sind überwiegend im Innendienst der Finanzämter als Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter tätig, zum Beispiel zur Steuerfestsetzung im Veranlagungsbereich, in der Bewertungsstelle, Erbschaftsteuerstelle, Grunderwerbsteuerstelle, Finanzkasse, Vollstreckungsstelle, Straf-sachenstelle. Neben der Steuerfestsetzung im Veranlagungsbereich stellen sie Grundstücks-werte für unbebaute und bebaute Grundstücke fest. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Erfassung von Erbschaften und Schenkungen, die sie steuerlich auswerten. Innerhalb der Finanzkasse können sie leitende Funktionen ausüben. Im Außendienst sind sie vorwiegend in der Betriebsprüfung oder auch in der Steuerfahndung tätig, wo sie sich mit der Ermittlung und Aufdeckung von Steuerverkürzungen und Steuerhinterziehungen befassen. Außerdem nehmen sie innerhalb der Steuerverwaltung Sachbearbeiteraufgaben auf dem Gebiet der Organisation, des Personals- und Haushaltswesens wahr; diese Tätigkeiten üben sie teilweise auch in der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main und im Hessischen Finanzministerium in Wiesbaden aus.
Ob das Finanzamt Steuererstattungen gewährt oder Steuernachzahlungen einfordert, die Beamtinnen und Beamten bemühen sich dabei um einen bürgerfreundlichen Service. Dabei hilft ihnen die moderne Datenverarbeitungstechnik. Im Mittelpunkt der Verwaltung stehen aufgeschlossene, aktive und freundliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu deren wichtigsten Aufgaben der tägliche Umgang mit Menschen aller Berufe und gesellschaftlichen Schichten gehört.

  • > Tätigkeitsbeschreibung
  • > Aufgaben
  • > Arbeitsbedingungen/ Zusammenarbeit und Kontakte
  • > Weiterbildung/ Berufliche Perspektiven


Tätigkeitsbezeichnungen
Diplom-Finanzwirtinnen/Diplom-Finanzwirte beginnen ihre Tätigkeit im gehobenen Dienst der hessischen Steuerverwaltung als Steuerinspektorin/Steuerinspektor. Nach erfolgreichem Ablauf der Probezeit werden Diplom-Finanzwirtinnen/Diplom-Finanzwirte zum Beamten auf Lebenszeit ernannt.

Der Beamte kann bei entsprechender Leistung im Laufe der Dienstjahre zur/zum

  • Steueroberinspektorin/Steueroberinspektor (Besoldungsgruppe A 10)
  • Steueramtfrau/Steueramtmann (Besoldungsgruppe A 11)
  • Amtsrätin/Amtsrat (Besoldungsgruppe A 12)
  • Oberamtsrätin/Oberamtsrat (Besoldungsgruppe A 13)

aufsteigen.

Die Karriere hängt also wesentlich von der persönlichen, fachlichen und räumlichen Einsatzbereitschaft ab.
Bei besonderer Befähigung ist die Übernahme in die Laufbahn des höheren Dienstes in der hessischen Steuerverwaltung möglich.

Tätigkeitsbeschreibung
Beamtinnen und Beamte des gehobenen Dienstes in der hessischen Steuerverwaltung befassen sich mit der Verwaltung von Steuern wie zum Beispiel der Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer, Grunderwerbsteuer und Erbschaftsteuer. Als Sachbearbeiterinnen/Sachbearbeiter bearbeiten sie weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich ein Arbeitsgebiet im Veranlagungsbereich, Bewertung, Vollstreckung, Betriebsprüfung oder Steuerfahndung.

Steuerbeamtinnen und Steuerbeamte verfügen über sehr gute rechtliche Kenntnisse. So kennen sie sich zum Beispiel aus mit den Steuergesetzen, den Steuerrichtlinien, dem bürgerlichen Recht, dem Handelsrecht und natürlich auch mit den Verwaltungsanweisungen der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main und den Gerichtsurteilen der Finanzgerichts-barkeit. Sie verfügen auch über Kenntnisse der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftlehre und können moderne Informations- und Kommunikationstechnik einsetzen.

Diese umfangreichen Fachkenntnisse ermöglichen es ihnen, Bürgerinnen und Bürger umfassend zu informieren und Steuerangelegenheiten verantwortlich und sachgemäß zu bearbeiten. Neben den Fachkenntnissen benötigen die Beamtinnen und Beamten Objektivität, Einfühlungsvermögen, Aufgeschlossenheit und Verständnis für wirtschaftliche Vorgänge und Zusammenhänge, um den Grundsätzen der Steuergerechtigkeit und der Gleichmäßigkeit der Besteuerung aller Bürgerinnen und Bürger nachkommen zu können. In den Besteuerungsangelegenheiten beschäftigen sich die Beamtinnen und Beamten mit komplexen Sachverhalten. Darüber hinaus fällt die verwaltungsmäßige Bearbeitung von Anträge, Eingaben und Rechtsbehelfen an.

Besonders qualifizierte Beamtinnen und Beamte des gehobenen Dienstes in der hessischen Steuerverwaltung können beispielsweise als Betriebsprüferinnen und Betriebsprüfer arbeiten. Wer pädagogisch besonders befähigt ist, kann hauptamtlich an den Bildungsstätten der hessischen Steuerverwaltung unterrichten.

Neben den Sachbearbeitertätigkeiten nehmen die Beamtinnen und Beamten auch Leitungs- und Führungsfunktionen wahr, zum Beispiel als Sachgebietsleiterinnen/Sachgebietsleiter in den Finanzämtern oder als Hilfsreferentinnen/Hilfsreferenten bei der Oberfinanzdirektion. In Leitungs- und Führungsfunktionen erledigen die Beamtinnen und Beamten weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich Fachaufgaben, Personalführungsaufgaben oder lösen Probleme der Verwaltungsorganisation.

Es fallen meist Schreibtischarbeiten zu den üblichen Bürozeiten an. Zum Teil sind die Beamtinnen und Beamten im Außendienst (z.B. zu Betriebsprüfungen und in der Steuerfahndung) unterwegs.

Aufgaben :

In der Veranlagungsstelle

  • Steuerpflichtige zu den laufend erhobenen Steuern (zum Beispiel Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer) veranlagen
  • Den steuerlich erheblichen Sachverhalt an Hand der beigefügten Steuererklärungen und Unterlagen ermitteln und rechtlich würdigen
  • Besteuerungsmerkmale feststellen und Steuern mit Automatisierungsunterstützung berechnen beziehungsweise festsetzen
  • Anträge der Arbeitnehmer/innen auf Eintragung eines Ermäßigungsbeitrages auf der Lohnsteuerkarte bearbeiten
  • Einsprüche, Klagen bearbeiten und Revisionen vorbereiten


In der Bewertungsstelle

  • Einheitswerte für unbebaute und bebaute Grundstücke ermitteln und festsetzen


In der Grunderwerbsteuerstelle

  • Den Erwerb von Grundstücken und Wohnungseigentum steuerlich auswerten


In der Erbschaftsteuerstelle

  • Erbschaften und Schenkungen zentral erfassen und steuerlich auswerten


In der Vollstreckungsstelle

  • Vollstreckungsaufträge erteilen
  • Sicherungsübereignungen durchführen, in das unbewegliche Vermögen vollstrecken
  • Das Finanzamt in Insolvenz-/Konkursverfahren vertreten


In der Straf- und Bußgeldsachenstelle

  • Unter Leitung von Angehörigen des höheren Dienstes Steuerstraftaten und -ordnungswidrigkeiten bearbeiten
  • Ordnungswidrigkeiten ermitteln und rechtlich würdigen
  • Der Staatsanwaltschaft die Akten des betreffenden Falls vorlegen (falls der Umfang der Sache es erfordert)
  • In Bußgeldverfahren Steuerordnungswidrigkeiten ahnden und verfolgen


In der Betriebsprüfung

  • Weitgehend selbstständig vor Ort prüfen, ob die Angaben des/der Steuerpflichtigen in der Steuererklärung mit den Angaben in seinen/ihren Büchern übereinstimmen
  • Weitgehend selbstständig vor Ort prüfen, ob die Aufzeichnungen des/der Steuerpflichtigen in seinen /ihren Büchern mit den tatsächlichen Verhältnissen übereinstimmen


In der Steuerfahndung

  • Weitgehend selbstständig (und nicht selten Länder übergreifend) als Hilfsbeamte und -beamtinnen der Staatsanwaltschaft (das heißt mit den Befugnissen von Polizeibeamten und -beamtinnen) Steuerstraftaten oder Steuerordnungswidrigkeiten aufdecken
  • Weitgehend selbstständig (und nicht selten Länder übergreifend) Steuerfälle aufdecken, die der Steuerverwaltung noch unbekannt sind und in diesen Angelegenheiten ermitteln


An Bildungsstätten

  • Hauptamtlich an Bildungseinrichtungen der hessischen Steuerverwaltung Lehrtätigkeiten ausüben


Im Hessischen Finanzministerium und in der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main.


Arbeitsbedingungen/ Zusammenarbeit und Kontakte
Beamtinnen und Beamte im gehobenen Dienst der hessischen Steuerverwaltung handeln auf der Grundlage von Gesetzen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsanweisungen überwiegend in Alleinarbeit eigenständig und eigenverantwortlich. Sie üben dabei eine verwaltende, ordnende, regelnde und planende Tätigkeit aus. Diese besteht aus Innen und Außendiensttätigkeiten.

Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben müssen sie sich auf vielfältige Kontakte mündlicher, schriftlicher und telefonischer Art einstellen, zum Beispiel bei Auskunft suchenden Bürgern und Steuerberatern sind die Beamtinnen und Beamten zum Teil auch unerfreulichen Situationen ausgesetzt (Bürgerinnen oder Bürger kommen ihren steuerlichen Pflichten nicht nach).

Die Tätigkeit in der hessischen Steuerverwaltung wird überwiegend in Büros mit modernen Informations- und Telekommunikationsmitteln erledigt und führt nicht zur besonderen körperlichen Beanspruchung. Die Arbeitszeit (Gleitzeit) verteilt sich auf fünf Tage in der Woche; Teilzeitarbeit ist grundsätzlich möglich.

Um ihre Aufgaben im Sinne der gesetzlichen Vorschriften erfüllen zu können, arbeiten die Beamtinnen und Beamten innerhalb der Behörden in Teams - den Sachgebieten - zusammen. Allerdings spezialisieren sich die Teammitglieder häufig auf ganz bestimmte Aufgabenbereiche und führen die zugehörigen Tätigkeiten alleine aus. Bei einer Tätigkeit im Außendienst steht die Zusammenarbeit mit Betrieben, Steuerberaterinnen und Steuerberater oder Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten im Vordergrund.

Die Beamtinnen und Beamten im gehobenen Dienst der hessischen Steuerverwaltung haben auch Kontakte zu steuerpflichtigen Bürgerinnen und Bürgern, zu Kolleginnen und Kollegen anderer Sachgebiete oder Abteilungen sowie zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Behörden (zum Beispiel Juztiz- und Kommunalverwaltung).


Weiterbildung/Berufliche Perspektiven
Ständige Änderungen des Steuerrechts sowie, Neuerungen im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung beeinflussen auch den Arbeitsalltag im gehobenen Dienst der hessischen Steuerverwaltung. Um hier auf dem Laufenden zu bleiben, ist kontinuierliche Weiterbildung unerlässlich.
Durch innerbehördliche Fortbildungsmaßnahmen, aber auch durch Weiterbildungsangebote externer Bildungsträger lassen sich Fachkenntnisse ergänzen und vertiefen. Die Themen betreffen z.B. Wirtschafts- und Steuerrecht, Finanz- und Steuerpolitik, Rechnungswesen oder EDV in der öffentlichen Verwaltung.