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Geschichte

Geschichte der Landesfinanzschule
Geschichte des Rotenburger Schlosses

Geschichte der Landesfinanzschule

Die Befugnis, Steuern festzusetzen und zu erheben, hatte vor dem 2. Weltkrieg die Reichsfinanzverwaltung . Die Ausbildung der Steuerbeamten war demzufolge ebenfalls Sache des Deutschen Reiches. Erst die Finanzverfassung des Grundgesetzes teilte entsprechend der föderalen Struktur der Bundesrepublik die Verwaltung der Steuern zwischen Bund, Ländern und Gemeinden auf, eine Landesfinanzverwaltung musste aufgebaut werden, Landesbeamte mussten geschult werden.

Zunächst war seit 1945 in Langen die Hessische Finanzlehranstalt betrieben worden. Doch schon bald reichten die dortigen Räumlichkeiten nicht mehr aus. Man suchte nach einer angemessenen Unterbringungsmöglichkeit. In die engere Wahl kamen Schloss Friedrichsstein in Bad Wildungen, Langen selbst und das landgräfliche Schloss in Rotenburg.

Am 26.05.1951 besichtigte der damalige Oberfinanzpräsident der Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main , zusammen mit dem Staatsbauamt Rotenburg, dem Landrat des Kreises und dem Bürgermeister und sämtlichen Beigeordneten der Stadt Rotenburg das Schloss. In einem Aktenvermerk über die Besichtigung heißt es „Nach der Lage wäre die Benutzung dieses Schlosses für alle Beteiligten ideal. Der anschließende Schlossgarten nebst Schwimmbad bietet Schulungsmöglichkeiten, wie man sie sich nicht schöner denken kann. Die Verwendung als Finanzschule ist zurzeit die einzige Möglichkeit, das historisch wertvolle Gebäude zu retten“. Dies erkannten auch die Behörden der Stadt Rotenburg. Sie gaben ihre Zustimmung und durch Vertrag vom 04.08.1953 schenkte die Stadt das Schloss dem Land Hessen.

Bevor das Schloss jedoch als Landesfinanzschule genutzt werden konnte, hatten die Baufachleute das Wort. Im Fuldaflügel entstanden die Unterrichtsräume und im Erdgeschoss wurde der 1975 qm große Festsaal eingerichtet. Im 3. Obergeschoss aller drei Schlossflügel wurden in 38 Räumen Schlafgelegenheiten für 130 Schüler geschaffen und im ersten Obergeschoss des Hauptflügels Speiseräume und Aufenthaltsräume eingerichtet sowie Teile der Verwaltung untergebracht. Küche und Wirtschaftsräume wurden in den nord-westlichen Teil des Schlosses im Erdgeschoss gelegt.

Verbunden mit den betriebsgedingten Umbauten standen erhebliche Instandsetzungsarbeiten u. a. an den Dächern, den Außenwänden, Zwischenwänden und Zwischendecken. Neue Treppen und Fenster wurden eingebaut, andere repariert. Erfreulich, dass selbst so weit möglich, der alte, eigentliche Zustand des Schlosses wiederhergestellt wurde.Die besonders schönen Stuckdecken in der Bibliothek und in den anderen Räumen restaurierte man sorgfältig.Die Arbeiten waren 1953 im wesentlichen abgeschlossen und am 14.11.1953 wurde das Schloss durch den damaligen Hessischen Finanzminister Dr. Heinrich Troeger seiner Bestimmung übergeben.

Bereits zum damaligen Zeitpunkt war den Verantwortlichen bewusst, dass nur eine gute Ausbildung der Steuerbeamten auch eine gute Qualität der Steuerverwaltung garantiert. So sagte der Finanzminister in seiner Rede zur Eröffnung der Landesfinanzschule :

„Das Land Hessen hat die Bedeutung der Ausbildung im Steuerdienst immer gekannt, musste sich aber bisher mit einer provisorischen Lösung in unzulänglichen Räumen begnügen. Ich war mir schon bei meiner Amtsübernahme darüber im klaren, dass nach dem Vorbild anderer Länder auch Hessen eine ausgebaute Finanzschule braucht, die den sachlichen Anforderungen entspricht und die Oberfinanzdirektion in die Lage versetzt, in absehbarer Zeit den Nachholbedarf in der Schulung der Finanzbeamten zu befriedigen“.

Die Gesamtbaukosten betrugen damals 1,5 Mio. DM und bald trafen die ersten 80 Lehrgangsteilnehmer, 40 Steuersekretäranwärter und 40 Betriebsprüfer ein.

1963 waren Bestrebungen im Gange, eine neue Landesfinanzschule in Wiesbaden zu bauen. Aber der damalige Staatssekretär der Staatskanzlei in Wiesbaden, Prof. Dr. Willi Brundert, zuvor Leiter der Landesfinanzschule Hessen brachte es fertig, Ministerpräsident Dr. Georg August Zinn im August 1963 zu einem Besuch der Landesfinanzschule Hessen nach Rotenburg zu bewegen. Nach der Besichtigung war Dr. Zinn der Ansicht, dass die Lehranstalt in Rotenburg den Interessen des Finanzministeriums Rechnung trägt.

Die Landesfinanzschule sei zweifelsohne für Rotenburg mehr als nur ein Faktor im wirtschaftlichen Raum, sie sei unbestreitbar ein belebendes Element hier, aber nicht nur für Rotenburg, sondern auch für den Zonengrenzraum. Damit war die Verlegungsfrage vom Tisch. Der Startschuss für die Erweiterung der Schule in Rotenburg fiel, die Kapazität wurde auf 250 mehr als verdoppelt. Dies geschah durch die Errichtung eines zusätzlichen Gebäudes, eines Internates mit Lehrsälen, das am Rande des Schlossparkes entlang der Parkmauer auf einer 2.000 qm großen Fläche errichtet wurde.Der Internatsbau umfasste eine modern eingerichtete Arbeitsbibliothek, einige Büroräume, einen großen Aufenthaltsraum und eine Kegelbahn. In zwei Obergeschossen wurden auf der Grundlage von Zweit-Bett-Zimmern 120 Betten untergebracht. Angegliedert war der Lehrsaaltrakt mit fünf neuen Lehrsälen. Einschließlich der Einrichtung wurden für die Erweiterung der Schule 4 Mio. DM aufgewendet

Die Existenz der Landesfinanzschule in Rotenburg war später mit ausschlaggebend dafür, dass die Aus- und Fortbildungstätte, spätere Verwaltungsfachhochschule, hier ihren Standort erhielt. Ab Sommer 1973 wechselte die Ausbildung des gehobenen Dienstes dorthin.

Ende der Siebziger Jahre/Anfang der Achtziger zeigten sichtbare Schäden an den Außenwänden, erhebliche Putz- und Mauerwerksrisse, Feuchteschäden, dass die teilweise bis zu 380 Jahre alten Schlossanlagen (die auf Resten von Vorgängerbauwerken, Pfahlrosten, Gewölbeansätzen oder alten Gründungsmauern erreichtet worden waren) grundinstandgesetz werden mussten.

Um die notwendigen Bauarbeiten am Schloss durchführen zu können, wurde es zum Jahresende 1983 vollständig geräumt.

Mit Bohrpfahlgründungen aller Außenwände im stützenden Bereich, Verfestigung der Wände mit Bohrkerninjektionen und Vernadelungen wurde das Gesamtgebäude nach einer Entkernung statisch gefestigt. Im Zuge dieser Entkernung und bei weiteren Freilegungsarbeiten wurde festgestellt, dass auf Grund der vorgefundenen schlechten Bausubstanz zusätzliche Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten erforderlich wurden. Während der gesamten Baumaßnahmen wurde großes Augenmaß darauf gelegt, die historische Substanz wie Stuckdecken, Deckengemälde, Friese zu sichern. Was nicht auszubauen war, musste vor Ort gesichert werden, so dass die Baustelle teilweise um diese Objekte herum stattfand. In diesem Stadium der Sanierung waren laufende Abstimmungen mit den Denkmalfachbehörden erforderlich, die auf die Dauer der Sanierung erheblichen Einfluss hatten. Die schöngeistige Bibliothek, die barocke Treppe, Parkettböden, Holzschnitzungen wie aufwändige Kassettentüren konnten nach fachgerechten Instandsetzungen an ihren alten Orten wieder eingebaut werden.

Es sollte eine Sanierung von Grund auf werden. Anfang 1984 wurde begonnen, fünf Jahre und 12,7 Mio. DM waren veranschlagt; es wurden jedoch fast zehn Jahre und 51 Mio. DM daraus.

Offiziell übergeben wurde das sanierte Schloss am 15. Oktober 1993 im Rahmen einer Feierstunde durch Hessens damalige Finanzministerin Dr. Anette Fugmann-Hesing.

Das Rotenburger Schloss ist nicht nur ein prägendes Wahrzeichen der Stadt Rotenburg, sondern darüber hinaus Ausbildungs- und Fortbildungsstätte für den mittleren Dienst der hessischen Steuerverwaltung, Justizverwaltung sowie für die Bediensteten der Straßen- und Verkehrsverwaltung, Kataster und Vermessungsämter.

Durch zeit- und sachgemäße Nutzung wird dieses historische Gebäude mit Leben erfüllt:

In der Landesfinanzschule erhalten die Beamten des mittleren Dienstes der Steuerverwaltung ihre fachtheoretische Ausbildung, die berufspraktische Ausbildung wird an den Finanzämtern durchgeführt. Fachtheoretische und berufpraktische Ausbildungsabschnitte wechseln miteinander ab. Die Ausbildung dauert insgesamt zwei Jahre. Von 1953 bis zum Jahre 2003 haben hier an der Landefinanzschule 11.358 Lehrgangsteilnehmer die fachtheoretische Ausbildung durchlaufen.


Geschichte des Rotenburger Schlosses

Der Chronist Friedrich Lucae Pfarrer in der Rotenburger St. Jakobi Kirche, nennt Kaiser Heinrich IV (1056-1107) als Begründer der Stadt Rotenburg. Lucae’s Aussagenlassen sich historisch nicht belegen. Die neuere Forschung verlegt die Stadtgründung in die Jahre 1180/1190.

In der Gründerzeit war das Stadtgebiet von einer starken Stadtmauer umschlossen. Hierdurch bildete sich eine Stadtburg Rotenburg, die festungsartig ausgebaut war. Diese Stadtburg wurde im 15. Jahrhundert aufgegeben. Über den Standort der Stadtburg streiten die Historiker. Während die einen sie als Vorläufer des Schlosses am Fuldaufer sehen, gehen andere von einem Standort nahe der St. Georgskapelle aus.

An Stelle der alten Stadtburg wurde 1470 ein neues Schloss erbaut, welches bereits im Jahre 1478 einem Brandstifter zum Opfer fiel. Der Wiederaufbau des Schlosses erfolgte unmittelbar nach der Zerstörung. Es wurde für mehrere Jahrzehnte landgräflicher Witwensitz. Landgraf Wilhelm IV der Weise (1567 – 1592) errichtete jedoch 1571 ein neues Schloss.

Zur damaligen Zeit herrschte eine große Baufreudigkeit. So entstanden nicht nur die Stadtschlösser in Kassel und Schmalkalden, sondern auch in Rotenburg wurde ein Schloss errichtet, welches den Namen „Schloss“ eigentlich als erstes Bauwerk in Rotenburg wirklich verdiente. Es handelte sich um ein Renaissance-Schloss mit vier Treppentürmen und vier im Quadrat angelegten Gebäuden. Die beiden östlichen Türme in Richtung Park waren höher ausgeführt. Die Türme umrahmten eine zweigeschossige Galerie. Schlösser wurden zur damaligen Zeit überwiegend nach innen gestaltet, die Außenseite zur bürgerlichen Welt wurden eher sachlich ausgeführt. Die Gebäude waren auf allen Seiten zweigeschossig angelegt, so wie dieses heute noch am Südflügel des Schlosses zu sehen ist. In die Dächer waren jeweils symmetrische Gauben integriert, auf die wiederum geschweifte Giebel aufgesetzt waren. Die übrige Gestaltung des Gesamtensembles war eher schlicht und sachlich.

Der Rotenburg Stadtchronik zufolge muss es eine sehr vornehme landgräfliche Residenz gewesen sei. Vom inneren Prunk und Prächtigkeit und den Ausmaßen her betrachtet, durchaus mit der fürstlichen Residenz in Kassel vergleichbar.

Überreste des damaligen Rotenburger Schlosses sind auch noch heute vorhanden, denn Teile sowie die Stadtmauer wurden in den Komplex der heutigen Schlossanlage mit einbezogen.

Als Wilhelm IV im Jahre 1567 den Schlosskomplex von seinem Vater Philipp übernahm, war das Schloss in weiten Teilen baufällig und stark heruntergekommen. Auch war es durch die Vergrößerung der Stadt zwischenzeitlich doch recht eingekesselt zwischen den Bürgerhäusern der Stadt und war so dem Landgrafen Wilhelm IV. darüber hinaus verleidet, weil sein von ihm ungeliebter Vater eine kalvinistische Nebenehe mit der siebzehnjährigen Margarethe von der Saale führte. Wilhelm IV. war seiner leiblichen Mutter Christine stark zugetan.

Das Schloss wurde in mehrjähriger Arbeit grundlegend neu gestaltet und renoviert. Um 1577 konnten der Stadtchronik nach die Räume bezogen werden. Die Fertigstellung des Nordflügels mit dem Kirchenteil zog sich bis zum Jahre 1607 hin. Das Schloss wurde wie der Ursprungsbau wiederum in quadratischer Form angelegt. An allen vier Ecken ragten nunmehr schmale Treppentürme in die Höhe. In den Untergeschossen der Gebäude waren große mit einer gewölbten Deckenkonstruktion ausgebildete Räume angesiedelt. In den Obergeschossen befanden sich geräumige Zimmer. Der Ostflügel, so wird berichtet, war von einer besonderen Pracht und beherbergte als Prunkstück den in ganz Deutschland berühmten Rittersaal, welcher großartig mit Wappen der Städte und Adelshäuser Hessens ausgeschmückt war. Zu dieser Zeit wurde auch der Schlossgarten in seinen heutigen Dimensionen angelegt und vom Landgrafen als Lustgarten entsprechend dem von Frankreich herübergekommenen Stil gestaltet. In dem Garten selbst waren durch den Landgrafen Wilhelm viele seltene und exotische Gewächse angepflanzt worden.

Zwischen dem Schloss und dem Schlossgarten befand sich in der Anfangszeit ein tiefer trockner Graben, vermutlich ein Rest der ehemaligen Befestigungsanlagen der Stadt Rotenburg. In diesem Graben wurden auch wilde und fremde Tiere gehalten. Sogar von einer Löwenhaltung ist die Rede. Zu jener Zeit übertraf das Rotenburger Schloss an Prunk, Größe und Ausstattung die Kasseler Anlagen bei weitem.

Von besonderer Bedeutung war die im Schloss untergebrachte Schlosskirche im Nordflügel. Diese Schlosskirche fiel dem Konfessionsstreit zum Opfer. Die Kirche selbst war auch von quadratischem Zuschnitt, und hatte zur Innenhofseite einen hohen Giebel, an dessen Spitze eine übergroße goldene Uhr angebracht war. Die Schlosskirche gehörte zu den ersten Kirchenbauten nach der Reformation in Hessen, bei denen die Bedingungen der Lehre Luthers ihre bauliche Verwirklichung fanden. In der Mitte des Raumes stand die Kanzel, unmittelbar darunter der Altar. Der Eingang zur Kirche erfolgte durch den Schlosshof. In der Kirche selbst war für den Altar, die Kanzel und die tragenden Säulen weißer Alabaster verwandt worden. Der Raum selbst und die Nebenräumlichkeiten waren reich verziert, die Wände im Kontrast dazu mit rotem Alabastermarmor belegt. Wir müssen uns diese Kirche jedoch nicht so überladen vorstellen, wie manch katholische Kirche der gleichen Zeitepoche. Die Figuren waren nicht bemalt, sondern mit Gold belegt und eine große Ebenholzorgel sorgte für musikalische Untermalung.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts ließ Landgraf Hermann die bis dahin noch freien Wände mit Sinnsprüchen bemalen. Die Rotenburger Schlosskirche war für den protestantischen Kirchenbau im 17. Jahrhundert eine maßgebende Einrichtung. Die Schlosskirche war der einzige dreigeschossige Bau des Rotenburger Schlosses und dokumentierte so die Stellung und Wertschätzung der Religion bei den Rotenburger Landgrafen.

Landgraf Moritz der Gelehrte vollendete den Schlossanbau und fügte in 1603 den sog. „Marstall“ nebst der Kanzlei gegenüber dem Schlosseingang hinzu. In dieser Zeit wurde die Fulda bis Hersfeld schiffbar gemacht. Die „königliche Schleuse“ an der Fulda ist ein Relikt dieser Tage.

Landgraf Ernst I. ließ im Jahre 1683 die Schlosstore verschließen, um die Rotenburger Bürger am Besuch der evangelischen Messe in der Schlosskirche zu hindern, denn er war im Jahre 1652 zum katholischen Glauben konvertiert. Der Rotenburger Dekan Schmierfeld verkündigte in der sonntäglichen Predigt, dass alle Gläubigen, die nicht die sonntäglichen Gottesdienste in der Schlosskirche besuchten, bestraft würden.

Da am kommenden Sonntage das Schloss in der üblichen Manier verschlossen war, musste erst durch eine Kompanie das Schlosstor und die nachfolgenden Türen mit Gewalt aufgebrochen werden. Nach diesem Zutritt zu Kirchenräumen mit Gewalt konnte wieder der sonntägliche Gottesdienst in der Schlosskirche abgehalten werden. Der Verwalter des Schlosses, die beiden Bürgermeister der Stadt Rotenburg und zwei angesehene Bürger verweigerten den Besuch des Gottesdienstes mit Gewaltmitteln, und wurden daraufhin in Kassel vor Gericht gestellt. In einem umstrittenen Prozess wurden alle zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Heimkehr der Verurteilten gestaltete sich in Rotenburg zu einem Triumphzug. Obwohl die Gottesdienste nun wiederum ungehindert abgehalten werden konnten, wurden seitens des Landgrafen keinerlei Instandhaltungen und Instandsetzungen am Gebäude mehr durchgeführt, so dass die Schlosskirche verfiel. Nach 1700 bestand extreme Einsturzgefahr, so dass keine Gottesdienste mehr abgehalten werden konnten.

In der Zwischenzeit war im Südflügel des Rotenburger Schlosses vom Landgrafen Emanuel eine katholische Kapelle eingerichtet worden, welches vermutlich die erste katholische Kirche in Hessen nach der Reformation war, und erst im Jahre 1964 durch den Neubau der katholischen „Christus der Erlöser-Kirche“ aufgelassen wurde. Nach langen und zähen Verhandlungen konnten nach einer Entschädigungsleistung an die Stadtpfarrei die Reste der einstmals prunkvollen evangelischen Schlosskirche abgerissen werden.

1790 wurde der baufällige Nordflügel unter der Bauleitung des französischen Architekten Mangin erneuert, und der zum Park liegende Ostflügel mit dem historischen Rittersaal wegen Baufälligkeit abgerissen. Reste der Grundmauern sind bei Kanalbauarbeiten in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts offengelegt worden. Seit dieser Zeit hat das Rotenburger Schloss die prägende offene Seite zum Schlosspark. In dieser Zeit wurde auch die zweigeschossige schöngeistige Bibliothek im Nordflügel des Rotenburger Schlosses geschaffen, die im Inneren mit Stuckaturen im barocken Stil prächtig ausgeschmückt und heute noch in ihrer Gesamtheit nebst Inventar vollständig erhalten ist.

Nach dem Ableben des letzten erbenlosen Landgrafen Viktor Amadeus im Jahre 1834 fiel das Rotenburger Schloss nach der Herrschaft der Rotenburger Quart (Vertragliche Abtrennung eines Viertels von Hessen-Cassel durch Landgraf Moritz im Jahre 1627. Zur Versorgung der Kinder der Landgräfin Juliane, der zweiten Ehefrau des Landgrafen Moritz) in welcher Rotenburg sogar zeitweise Residenzstadt wurde, zurück an das Haus Hessen-Cassel. Im Jahre 1834 übernahm der Kurprinz Friedrich Wilhelm das Rotenburger Schloss, zeigte jedoch kein großes Interesse an den Baulichkeiten und Anlagen. Das Schloss wurde zur Mietskaserne, der Schlosspark Gartenland und zum Holzlieferanten, wie uns heute noch alte Rechnungen belegen.

Das Schloss sowie die Parkanlagen wären sicherlich als Institution untergegangen, wenn nicht beides im Jahre 1879 aufgrund einer Erbstreitigkeit an den Prinzen Friedrich Wilhelm von Hessen Philippsthal-Barchfeld gefallen wäre.

Aufgrund einer besonderen Vereinbarung konnten die Rotenburger Bürger weiterhin den wieder gründlich instand gesetzten Schlosspark sehr zum Leidwesen der fürstlichen Herrschaft als Erholungsort nutzen.

Nach dem Tode der Prinzessin Auguste von Hessen (+ 1932) standen Schloss und Park endgültig zum Verkauf und wurden von der Stadt Rotenburg im Jahre 1934 für 157.300 RM erworben. Das Gärtnerhaus des Schlossparks wurde im gleichen Jahr Jugendherberge. Im Schloss selbst wurde vom Reichsarbeitsdienst ein Truppführerschule errichtet.

Nach 1945 wurden über vierzig heimatvertriebene Familien im Schloss untergebracht, in 1953 schenkte die Stadt Rotenburg nach einer Räumung das Schloss dem Land Hessen zur Einrichtung einer Landesfinanzschule, da im südhessischen Langen nicht genügend Räumlichkeiten geschaffen werden konnten und ansonsten keine Möglichkeit bestand, die wertvolle Bausubstanz zu retten.

Sichtbare Schäden an den Außenwänden, erhebliche Putz- und Mauerwerksrisse, Feuchteschäden und mangelhafte allgemeine Sicherheit sowie mangelnde Brandschutzvorkehrungen waren Veranlassung, durch das Staatsbauamt im Auftrage des Landes Hessen umfangreiche Untersuchungen am Gebäudekern vorzunehmen. Es bestätigte sich, dass die teilweise bis zu 380 Jahre alten Schlossanlagen, die auf Resten von Vorgängerbauwerken, Pfahlrosten, Gewölbeansätzen oder alten Gründungsmauern errichtet wurden, durch die Lebensdauer, Feuchte und Qualität der Baumaterialien in hohem Maße instandsetzungsbedürftig geworden waren. Seit der Erneuerung im Jahre 1790 durch den französischen Architekten Mangin sind offensichtlich keine grundhaften Instandsetzungen und Erneuerungen vorgenommen worden. Insbesondere auch in der Zeit des 2. Weltkrieges wurde nur vordergründig das Objekt einer Nutzung zugeführt. Des Weiteren war sicherlich auch die Wohnraumnutzung in den Jahren nach dem Kriege dem Gesamtobjekt wie auch dem historischen Baubestand wenig entsprechend.

Mit Bohrpfahlgründungen aller Außenwände im stützenden Bereich, Verfestigung der Wände mit Bohrkerninjektionen und Vernadelungen wurde das Gesamtgebäude nach einer Entkernung statisch gefestigt. Die Trockenlegung des aufsteigenden Mauerwerks erfolgte durch ein elektrogenetisches Verfahren.

Im Renaissance-Flügel wurden die Obergeschosse entkernt und neue Decken in die vorhandene Struktur eingebracht. Abgängige Holzkonstruktionen wurden ersetzt, Fachwerkkonstruktionen im Barockteil sowie die Tragkonstruktionen erhielten neue stärkere Struktur. Während der gesamten Baumaßnahme wurde großes Augenmerk darauf gelegt, die historische Substanz wie Stuckdecken, Deckengemälde, Friese zu sichern. Was nicht auszubauen war, musste vor Ort gesichert werden, so dass die Baustelle teilweise um diese Objekte herum stattfand. Die schöngeistige Bibliothek, die barocke Treppe, Parkettböden, Holzschnitzungen wie aufwendige Kassettentüren waren besonders schützenswert und konnten nach fachgerechten Instandsetzungen an ihren alten Orten eingebaut werden.

Nach dieser Sanierung war auch der Brandschutz in der Gesamteinrichtung hergestellt.

Am 15. Oktober 1993 erfolgte die offizielle Wiederinbetriebnahme des vollständig sanierten Rotenburger Schlosses im Rahmen einer Festveranstaltung im Verbund mit dem 40-jährigen Bestehen der Landesfinanzschule Hessen in Rotenburg. Allein die Sanierungsmaßnahmen der Jahre 1977 bis 1993 erforderten Baukosten in Höhe von 53 Mio.DM. Das Rotenburger Schloss ist nicht nur ein prägendes Wahrzeichen der Stadt Rotenburg, sondern darüber hinaus Ausbildungs- und Fortbildungsstätte für den mittleren Dienst der hessischen Steuerverwaltung, Justizverwaltung sowie für die Bediensteten der Straßenbauverwaltung, Kataster- und Vermessungsämter.

Ein historisches Gebäude wird so einer Nutzung unterzogen und mit Leben erfüllt, das denkmalgeschützte Gesamtareal stellt von daher keine museale Unterhaltung dar sondern Bewahrung durch zeitgemäße Nutzung. So ist die Geschichte des Rotenburger Schlosses nicht beendet sondern wird stetig weitergeschrieben. Möge das Schloss noch lange Heimstatt für hochwerte Ausbildung und Fortbildung der Verwaltung in Nordhessen sein.

Die Inschrift am Torbogen hat Generationen von Auszubildende begleitet und eine Lebenserfahrung auf den Weg gegeben, wie sie weitsichtiger nicht gewählt sein könnte:

Allen gefallen wollen nur Knechte,
keinem gefallen wollen nur Schlechte,
den Besten gefallen, das ist das Rechte.

Thomas Baumann,
ehemals Dozent an der Landesfinanzschule Hessen

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